KOMM... Beweg Dich!

Warum wird Bewegung immer wichtiger im Alltag? Was können wir tun, um den drohenden Folgen von Bewegungsmangel entgegen zu wirken? Unser Partner das KOMM-Projektes liefert spannende Einblicke und Hintergründe.

KOMM ist ein Akronym und steht für „Systematische Aufbereitung, Analyse und Kommunikation von Orten, Motivation sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Bewegung und Bewegungsförderung“. Es geht im KOMM-Projekt also vor allem um die Kommunikation bereits vorhandener Studien und Daten im Themengebiet Gesundheitsförderung, Prävention und Bewegung im Alltag.

Nachfolgend ein kleiner wissenschaftlicher Einblick der Meta-Studie: 

Zahlreiche Studien belegen, dass regelmäßige körperliche Aktivität einen enormen positiven Einfluss auf die körperliche und mentale Gesundheit von Menschen aller Altersgruppen hat (Reiner et al., 2013). Jedoch werden Bewegungsempfehlungen nur von einem geringen Anteil der Bevölkerung erreicht. In Deutschland ist beispielsweise nur ein Viertel der Kinder und Jugendlichen ausreichend körperlich aktiv (Schmidt et al., 2020). Körperliche Inaktivität ist nicht nur für 10% aller Todesfälle verantwortlich (Hamer et al., 2017), sondern verursacht auch jährlich Kosten in Milliardenhöhe (Ding et al., 2016).

Der Vergleich der MoMo-Daten von 2004 und 2015 zeigt einen deutlichen Rückgang des Spielens in der freien Natur bei Kindern und Jugendlichen. Die über 18-jährigen (Daten Bad Schönborn-Studie) machen ihren Sport zunehmend außerhalb von Vereinen. Davon betreiben 57,8% den Sport ausschließlich privat und 24,7% ausschließlich in privat organisierten Gruppen. Dennoch ist und bleibt der Sportverein der Nummer-1-Bewegungsort für Kinder und Jugendliche. Zudem hat die Einrichtung von Infrastruktur zum zu Fuß gehen und Rad fahren sowie die Verfügbarkeit von öffentlichem Nahverkehr hatten einen positiven Effekt auf die körperliche Aktivität (Tcymbal et al., 2021).

Eine nachhaltige Bewegungsförderung basiert auf einer systematischen Koordination und Kooperation relevanter Akteur*innen, Berufsgruppen und Multiplikator*innen (Wäsche et al., 2018). Dies gilt sowohl für die Entwicklung einer politischen Agenda und eines nationalen Netzwerks der Bewegungsförderung, als auch für die Umsetzung verhaltens- und verhältnisorientierter Bewegungsförderung in lebensweltlichen Settings (Schulen, Kindergärten, Vereine, Betriebe, Kommunen etc.). Hierfür ist die Kenntnis über Multiplikator*innen der Bewegungsförderung in Deutschland sowie deren strukturelle Einbindung in bewegungsfördernde Strukturen notwendig. Um deren effektive und effiziente Einbindung zu gewährleisten ist es notwendig, ihre Einstellungen, Kenntnisse und Bedarfe hinsichtlich eines Engagements in der Bewegungsförderung zu analysieren. Dazu bedarf es: Stärkung des politischen Willens und der politischen Zusammenarbeit, Verfügbarkeit von öffentlichen Räumen für Bewegungsförderung, Bewusstseinsänderung und Gesundheitsbildung, Ausbildung von pädagogischen Fachkräften, finanzielle Anreize, Entwicklung von bewegungsförderlichen Programmen und Strukturen, Bereitstellung von Ressourcen, Überbrückung des Theorie-Praxis-Grabens, Bekanntmachung der Bewegungsempfehlungen.

Langfristig positive Effekte von körperlich-sportlicher Aktivität auf die Gesundheit werden nur dann erzielt, wenn diese regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg kontinuierlich ausgeübt wird (Reiner et al., 2013).

Neben den entstandenen wissenschaftlichen Publikationen können alle Ergebnisse des KOMM-Projektes auf der Homepage eingesehen werden: https://komm-beweg-dich.de/ . Als Endergebnis konnten 5 Tipps für einen aktiveren Alltag herausgestellt werden, welche in Form eines kurzen Explainer-Videos hier zu finden sind: https://www.youtube.com/watch?v=PGJPwbcycmU

Wir freuen uns, dass wir mit unserer Landesinitiative "Land in Bewegung" genau diese Ziele verfolgen und somit nachhaltig zu einem gesunden und aktiven Lebensstil aller beitragen können. 

Literatur

Ding, D., Lawson, K. D., Kolbe-Alexander, T. L., Finkelstein, E. A., Katzmarzyk, P. T., van Meche-len, W. & Pratt, M. (2016). The economic burden of physical inactivity: a global analysis of major non-communicable diseases. The Lancet, 388 (10051), 1311–1324.

Ferdinand, A.O., Sen, B., Rahurkar, S., Engler, S., & Menachemi, N. (2012). The Relationship between Built Environments and Physical Activity: A Systematic Review. Am J Public Health, 102(10), e7-e13.

Kelso, A., Reimers, A.K., Abu-Omar, K., Wunsch, K., Niessner, C., Wäsche, H., & Demetriou, Y. (2021). Locations of Physical Activity: Where Are Children, Adolescents, and Adults Physically Active? A Systematic Review. International Journal of Environmental Research and Public Health, 18(3), 1240. doi.orghttps://doi.org/10.3390/ijerph18031240

Hamer, M., O’Donovan, G. & Murphy, M. (2017). Physical inactivity and the economic and health burdens due to cardiovascular disease: Exercise as medicine. In J. Xiao (Hrsg.), Exercise for cardiovascular disease prevention and treatment (S. 3-18). Singapore: Springer.

Reiner, M., Niermann, C., Jekauc, D. & Woll, A. (2013). Long-term health benefits of physical activity - A systematic review of longitudinal studies. BMC Public Health, 13(1), 813-821. doi:10.1186/1471-2458-13-813

Sallis, J.F., Cervero, R.B., Ascher, W., Henderson, K.A., Kraft, M.K., & Kerr, J. (2006). An Ecological Approach to Creating Active Living Communities. Annual Review of Public Health, 27, 297-322. doi.org/10.1146/annurev.publhealth.27.021405.102100

Schmidt, S. C. E., Anedda, B., Burchartz, A., Oriwol, D., Kolb, S., Wäsche, H. et al. (2020). The physical activity of children and adolescents in Germany 2003-2017: The MoMo-study. PLoS one, 15(7), e0236117.

Tcymbal, A., Demetriou, Y., Kelso, A., Wolbring, L., Wunsch, K., Wäsche, H., Woll, A., & Reimers, A.K. (2020). Effects of the Built Environment on Physical Activity: A Systematic Review of Longitudinal Studies Taking Sex/Gender into Account. Environmental Health and Preventive Medicine, 25(1), 75. doi.org/10.1186/s12199-020-00915-z

Wäsche, H., Panter, L., Mehl, R. & Rapp, S. (2018). Sport und Bewegung in der Karlsruher Oststadt. KIT, Karlsruhe. doi:10.5445/IR/1000089358

Wäsche, H., Peters, S., Appelles, L. & Woll, A. (2018). Bewegungsförderung in Deutschland: Akteure, Strukturen und Netzwerkentwicklung. Bewegungstherapie und Gesundheitssport, 24, 257-273.